ErasmusFranzösisch

Zwischen Oise und Eiffelturm: Unsere Tour durch Compiègne, Villers-Saint-Paul und Paris



Aus Schülersicht
Wer die Reise aus der Perspektive der Jugendlichen miterleben möchte, findet Eindrücke und spontane Gedanken im Live Blog der Gruppe: https://pros-in-frankreich.de/

Aus Sicht der Lehrkraft
Los ging’s im Morgengrauen: 5 Uhr, noch halb im Schlaf, aber voller Vorfreude. Für viele war es die erste Reise in Frankreichs Hauptstadt. In Paris angekommen, folgte gleich die erste kleine Herausforderung: An den Bahnhöfen Gare de l’Est und Gare du Nord war einiges los. Fahrkarten nach Compiègne? Erledigt. Wochenkarten für die Métro? Ebenfalls besorgt. Schließfächer? Ausgerechnet alle belegt. Also blieb eine Lehrkraft bei den Koffern, während der Rest kurz den Canal Saint Martin erkundete – bis ein kräftiger Regenschauer dem Mini Ausflug ein jähes Ende setzte. Willkommen in Paris!
Weiter ging es mit dem Zug nach Compiègne, rund 70 Kilometer nördlich von Paris, wo die Oise gemächlich vorbeifließt. Die Stadt ist bekannt für ihr Schloss, den weitläufigen Wald und die Nähe zum historischen Waffenstillstandsplatz von 1918; in der Altstadt laden Plätze, Cafés und das gotische Rathaus mit Glockenturm zum Bummeln ein. Unser Hotel lag zentral – manche hatten sogar Blick auf den Fluss. Abends das erste gemeinsame Dîner in der „Brasserie Parisienne“: Croque, Steak frites, Crème brûlée – und dieses Gefühl, wirklich „wie Gott in Frankreich“ zu essen.
Unsere Vorbereitung hatte schon im Unterricht begonnen – seit vier Jahren jedoch nur mit zwei Wochenstunden und einigen Ausfällen (Praktika, Fahrten, Ausflüge der drei Klassen zu unterschiedlichen Zeiten). Das Ziel war klar: ein bisschen Französisch im echten Leben anwenden, eine französische Schule von innen erleben und die Hauptstadt entdecken. Und ganz nebenbei: Orientierung trainieren, Entscheidungen treffen (viele Ziele wurden gemeinsam gewählt – manche sehr aktiv, andere ließen sich gern mitnehmen) und als Gruppe zusammenwachsen. Rücksicht nehmen, Ideen teilen, miteinander reden: nicht immer leicht, aber Schritt für Schritt sichtbar.
Am nächsten Morgen gab es klassisches Frühstück mit Croissants und Pains au chocolat, ergänzt um ein kleines kontinentales Angebot. Danach ging es nach Chantilly – Paris behält zwar seine besondere Anziehungskraft, doch auch umliegende Städte lohnen einen Abstecher. Chantilly ist berühmt für sein Schloss mit dem Musée Condé, die eleganten Grandes Écuries und natürlich die Crème Chantilly. Beim ersten Treffen mit der Partnerschule waren alle noch etwas verhalten: neue Sprache, neue Umgebung. Der Schlossbesuch war prachtvoll, aber fordernd für die Aufmerksamkeit. In Erinnerung bleiben vielleicht ein höfisches Bankettmotiv („Le Dîner d’Huîtres“), das Luxus, Etikette und die feinsinnige Tafelkultur des 18. Jahrhunderts feiert – inklusive der wohl ersten künstlerischen Darstellung eines in der Luft schwebenden Champagnerkorkens –, sowie „La Grande Singerie“, ein Rokoko Raum, dessen Wandmalereien Affen in menschlichen Rollen zeigen: humorvoll, virtuos, ein bisschen gesellschaftssatirisch. Das geplante Picknick fiel ins Wasser, aber ein kurzer Blick in die historischen Stallungen und eine anspruchsvolle Vorführung machten den Tag dennoch rund – intensiv und eindrucksvoll.
Tags darauf stand die Schule in Villers Saint Paul auf dem Programm – eine wohngeprägte Gemeinde an der Oise in der Agglomeration von Creil, mit direkter Bahnverbindung Richtung Paris. Im Collège wurden wir herzlich begrüßt, hospitierten im Unterricht, und die Jugendlichen gingen mit „Buddies“ in die Klassen. Erste Einblicke ins französische Schulsystem: klar strukturierte Tage, feste Abläufe, Unterricht bis 16:50 Uhr. Manche lernten die „salle de permanence“ kennen – ein beaufsichtigter Stillarbeitsraum, wenn Stunden ausfallen oder überbrückt werden müssen. In der Kantine gab es getrennte Bereiche für Lehrkräfte und Lernende und zwei Essensdurchgänge – viel Neues auf einmal, aber lehrreich.
Dann wieder Paris! Ein großer Wunsch: die Opéra Garnier. Mit Tablets unterwegs (nicht immer bis zum letzten Klick genutzt), aber mit großen Augen: die majestätische Haupttreppe, das funkelnde Grand Foyer, der rote Samt im Saal – und die farbintensive Decke von Marc Chagall, 1964 eingeweiht, eine poetische Hommage an berühmte Opern und Ballette, die Tradition und moderne Bildsprache spielerisch verbindet. Vorher genossen wir den freien Blick von der Dachterrasse der Galeries Lafayette – ein Panorama, das sofort still macht.
Mittags ging es über die Champs Élysées; einige erklommen den Arc de Triomphe – die Aussicht lohnte jede Stufe. Richtung Montmartre übernahm – wie so oft – ein Schüler die Navigation. Nicht immer die kürzeste Route, aber stets mit Ziel. Mit dem Funiculaire zur Basilika Sacré Cœur, ein paar stiegen noch bis zur Kuppel – wieder ein großartiger Blick. Am Abend aßen wir im ruhigen Patio von „La Mère Catherine“ nahe der Place du Tertre, fernab vom größten Trubel. Den Eiffelturm im Moment der Illumination hoben wir uns auf – der letzte Zug nach Compiègne war überzeugender. Ein guter Grund, wiederzukommen.
Am nächsten Tag starteten wir an Notre Dame – trotz Restaurierung beeindruckend, gotische Strenge und Geschichte zum Greifen nah. Durch das Quartier Saint Michel weiter ins Quartier Latin und eine wohlverdiente Pause im Jardin du Luxembourg für diejenigen, die die Tipps zur Freizeitgestaltung genutzt haben: akkurat geschnittene Hecken, Statuen, der runde Teich mit bunten Segelbooten – Paris im Kleinformat. Das Panthéon war mit Gruppe ohne Begleitung nicht zugänglich – kurze Aufregung, dann weiter zum Eiffelturm: auch dort wieder Treppensteigen (Anzahl der Stufen bis zum zweiten Stockwerk: 674) und eine wunderschöne Aussicht. Anschließend zur Place du Trocadéro, vielleicht der fotogenste Blick auf den Turm. An der Pont de l’Alma bestiegen wir die Bateaux Mouches: Einige nickten vor Müdigkeit weg – geschuldet auch schlaflosen Nächten, in denen manche ihr Zimmer nicht auf Anhieb fanden. Nach so vielen Eindrücken kann die schönste Sehenswürdigkeit eben auch einfach ein Sitzplatz sein. Vorbei an Grand Palais und Petit Palais ging es zur Métro und zurück nach Compiègne.
Der folgende Morgen begann wieder früh: zwei Unterrichtsstunden im Collège, anschließend Arbeit im CDI – dem Centre de Documentation et d’Information, einer Mischung aus Schulbibliothek, Medienzentrum und Lernraum. Recherche, Quellenarbeit, stilles Lernen – zwischendurch eine kleine Stärkung mit Madeleines und Apfelsaft vom nahe gelegenen Bauernhof. Nach der Kantine fuhren wir erneut nach Paris. Bei 30 Grad wurde der Weg zur Louvre Pyramide zur Hitzeschlacht aus Stein, Glas und Beton; die Brunnen blieben leider aus. Unter der Pyramide warteten wir ohne Zeitslot geduldig – nach etwa 45 Minuten durften wir hinein. Danach war der Akku leer, verständlich. Ein Wunsch eines Schülers stand aber noch auf der Liste: eine Fahrt mit der Métrolinie 6, halb ringförmig von Charles de Gaulle–Étoile bis Nation, teils oberirdisch auf Viadukten, mit dem ikonischen Blick auf den Eiffelturm bei der Seine Querung an Bir Hakeim – U Bahn mit Panorama.
Zurück in Compiègne durften die Schülerinnen und Schüler den letzten Tag mitentscheiden. Ursprünglich sollte es ins Musée d’Orsay gehen – das großartige Haus der Kunst des 19. Jahrhunderts mit seinem berühmten Uhrenfenster –, am Ende wählten alle einen ruhigen Tag vor Ort. Also organisierten wir spontan ein Picknick im Parc du Château de Compiègne. Nicht ganz einfach in puncto Gruppendynamik, doch schließlich saßen wir im Schatten, teilten Baguette, Käse, Obst – und Zeit. Gegen 15 Uhr machten wir uns auf den Weg; am Wochenende sind die Verbindungen rar, also warteten wir dann auf unseren Zug in der Gare de l’Est.
Die Rückfahrt war ebenfalls nicht ohne, doch der TGV brachte uns direkt bis Mannheim. Etwas enger als die DB, aber bequem. Während die Landschaft vorbeizog, lag eine andere Atmosphäre in der Luft als auf der Hinfahrt – ein gutes Zeichen? Erschöpft? Zufrieden? Voller Eindrücke?
Zwischen Regen am Canal Saint Martin, Treppen in der Opéra Garnier, langen Schultagen, glitzernden Ausblicken über Paris, Hitzewellen am Louvre und Picknick im Schlosspark ist etwas zusammengewachsen: Wege, die nicht immer die kürzesten waren, aber die richtigen. Vielleicht bleibt genau das: Man findet sich unterwegs – im Gespräch, im Lachen, im gemeinsamen Staunen. Und „essen wie Gott in Frankreich“ fühlt sich manchmal gar nicht wie ein Klischee an.

Dieser Austausch war nur möglich durch die Fördergelder des Erasmus+-Programms der EU.